Teichwiesel – wie das Hausprojekt mit Daily Vegan kocht
Ein Gastbeitrag von Rebecca Delor, vom Wohnprojekt „Teichwiesel“ aus Marburg.
Zum zehnjährigen Jubiläum von Daily Vegan, solltet Ihr, liebe Leser*innen, auch ein Mal zu Wort kommen. Ihr durftet Eure Gastbeiträge einreichen und erzählen, wie Euch Daily Vegan in den letzten Jahren kulinarisch oder auf Eurem veganen Weg begleitet hat.
Ich habe zwei sehr schöne, persönliche Einreichungen ausgewählt.
Hier die Geschichte vom Wohnprojekt „Teichwiesel“ aus Marburg, die ihren „Wieseltopf“ gerne mit Rezepten von Daily Vegan bereichern.
Hier die Teichwiesel-Geschichte mit Daily Vegan:
Bärlauchknödelkuchen von Dailyvegan im Wieselformat
Wer uns kennt, hat vielleicht schon mal gehört das unsere „Corporate Identity“ auf kleinen flinken Nagetieren basiert und dementsprechend viele Dinge, die sich im Hausprojekt im Teichwiesenweg 5 in Marburg ereignen wieselbezogene Namen haben.
So heißt zum Beispiel unsere interne Chatgruppe Wieselgewusel, unser jährlicher Aktionstag Wieseltag, unsere Kneipe Wieselkrug und unser gemeinsames Abendessen folgerichtig Wieseltopf.
Wer sind die Teichwiesel?
Wir sind ein Wohnprojekt in Marburg, und als solches Teil des Mietshäusersyndikats. Das Mietshäusersyndikat ist eine Vereinigung von Wohnprojekten, die das Ziel hat möglichst viele Häuser dem spekulativen Immobilienmarkt zu entziehen und sie dauerhaft günstig unter die Direktion der Bewohner*innen zu stellen.
So ist das auch bei uns geschehen. Das schöne Haus im Teichwiesenweg 5 in Marburg war schon seit Jahrzehnten ein WG-Haus und es hat einer Person gehört, die immer nur die Mieten kassierte, sich aber um nichts gekümmert hat. Entsprechend schlecht war auch der Zustand des Hauses.
Als der Besitzer irgendwann verkaufen wollte, gab es die Sorge im Haus, dass im Zuge eines Eigentümerwechsels viele ihre Wohnungen verlieren würden. Daher haben sich die Mieter*innen zusammengeschlossen und das Haus mithilfe von vielen sogenannten Direktkrediten selbst gekauft.
Die Mieten blieben bezahlbar und im Gegensatz zu anderen Organisationsformen, braucht man auch keine Anteile kaufen um Teil der Gemeinschaft zu werden. Seitdem wird das Haus von den Mieter*innen gestaltet und instandgesetzt.
Wir leben mit 30 Menschen in 8 Wgs und ich möchte es mal so ausdrücken: Arbeiten macht hungrig und das ist auch der Grund für diesen Gastbeitrag.
Teichwiesel: „Arbeiten macht hungrig“
Ich möchte allerdings von vorne anfangen: Ja ich bin ein Foodie, es ist einfach so: Essen begeistert mich! Ich liebe gutes Essen, ich koche gerne und probiere mich dabei gerne kreativ aus.
Gutes veganes Essen zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben und auch mein Aktivismus hatte schon immer die Tendenz zur Lebensmittelverarbeitung.
Ich habe viel in Küfas gekocht und Lebensmittel gerettet.
Später habe ich dann in Kaiserslautern den „Gras und Steine Brunch“ ins Leben gerufen bei dem seit 2016 einmal im Monat gezeigt wird, was veganes Essen alles kann.
Dailyvegan war immer eine gute Inspiration an meiner Seite. Als ich den Blog damals (anscheinend 2016?!) entdeckte, hatte ich sofort den Eindruck, dass da jemand so ähnlich tickt wie ich und besser kochen kann.
Also habe ich Artikel gelesen und mich vor allem grob von den Rezepten inspirieren lassen, denn Rezepten strikt zu folgen ist einfach nicht so mein Ding.

Von Riesenbovisten, veganen Muscheln und Bärlauch im Garten
Dabei gab es einige Meilensteine, die ich mit Dailyvegan erlebt habe, zum Beispiel als ich durch den Artikel von der Existenz von Riesenbovisten erfahren habe und als ich am 12. August beim Sternschnuppen ansehen einen fussballgroßen Bovist fand und es im Anschluss für den ganzen Freundeskreis Schnitzel gab.
Oder als ich mich entschloss, von meinem geringen Bafög Kräutersaitlinge zu kaufen, um die Muscheln nachzukochen, obwohl ich Meeresfrüchte eigentlich noch nie so wirklich mochte.
Außerdem gab es bei uns frei nach Seans Rezepten: grüne Waffeln, Grünkohl, Saitanbraten uvm.
Es gibt unzählig viele Anlässe für viele Menschen zu kochen
Seit ich nun in diesem Hausprojekt wohne, gibt es für mich unzählige Anlässe für viele Menschen zu kochen, denn wir machen bei der Instandsetzung soviel wie es geht selbst und wie oben erwähnt, macht arbeiten hungrig.
Das Essen muss also immer in größeren Mengen vorhanden sein. Am besten schnell gehen und natürlich lecker sein.
So kam mir eines schönen Frühlingstages beim Blick auf die Bärlauchwildnis in unserem Garten dieses Rezept in den Sinn. Der Bärlauchlaugenknödelkuchen ist übrigens das einzige Rezept was ich jemals von vorne bis hinten genauso gemacht habe wie das Rezept es gesagt hat. Denn es gibt daran einfach nichts zu ändern (oder bin ich nur alt und spießig geworden?).
Wir hatten noch Brezeln vom Foodsharing übrig und es war gleich ein Hit. Seitdem gab es den Knödelkuchen in einigen Varianten zu den verschiedensten Anlässen und Jahreszeiten. Mit Weißbrot und Lauch, mit Spinat, der immer bei der Solawi übrig bleibt. Zur Weihnachtsfeier, zum Wieseltopf, zum Wieseltag, in klassischer Gugelhupfform und in Sternform.
Falls jemand mal eine wieselähnliche Form entdeckt freuen wir uns über Zusendungen!

Der Knödelkuchen wird uns noch lange begleiten, da bin ich sicher. Es ist ein perfektes Community-Essen: Schnell gemacht, leckere Resteverwertung, günstig und viele werden satt.
Alle die wollen können sich eine Scheibe abschneiden. So wie ich es auch im übertragenen Sinne mit diesem Blog hier empfehlen würde.




